Kunst
Wahrnehmung wird künstlerische Setzung
Meine künstlerische Arbeit beginnt mit Wahrnehmung und mit dem, was tatsächlich da ist.
Ausgangspunkt sind reale Situationen, Orte und Begegnungen. Daraus entstehen Arbeiten mit Zeichnung, Malerei, Performance, Fotografie, Film und ortsbezogenen Interventionen.
Mich interessiert, was durch eine künstlerische Handlung in Bewegung kommt.
Viele meiner Arbeiten entwickeln sich über den Moment ihrer ersten Setzung hinaus. Menschen, Orte und Zeit schreiben daran weiter.
Floor Transcript
Performative Intervention, seit 2025
Sprache als Ereignis
Ausgangspunkt ist gehörte Sprache in realen Situationen.
Ein Wort fällt. Jemand sagt etwas. Ein Gespräch zieht vorbei.
Das Gehörte wird unmittelbar als rukocrt in den Raum gesetzt – Zeichnung als Handlung.
In weiteren Akten wird die Setzung verändert: rukopittura als Malerei, rukowaš als Waschung.
Zwischen diesen Handlungen schreibt sich die Arbeit weiter.
Der Ort schreibt mit.
Die Menschen schreiben mit.
Die Zeit schreibt mit.
Die Arbeit bleibt im Fluss.
Zeichnung als Spur von Präsenz, Bewegung und Zeit
rukocrt, 2025–2026
Floor Transcript, 2025
Performative Intervention DESSIN MORT OU VIF «Die Redaktion» Luzern
Kreidepigment | Temporäre Raumintervention | Sprache als soziale Bewegung im Raum
Die Arbeit entsteht durch Bewegung, Begegnung und Überschreibung
In Floor Transcript wird gehörte Sprache unmittelbar als rukocrt in den Raum gesetzt.
Aus dieser Praxis entstehen auch Zeichnungen auf Papier. Die gehörten Worte bleiben als Spur einer konkreten Begegnung und eines bestimmten Moments erhalten.
Die Handschrift entsteht aus der Bewegung des Schreibens. Sprache wird Zeichnung.
zanimljivo, 2025
rukocrt
Bleistift auf Hahnemühle, 18 × 26 cm
Gerahmt hinter Glas, 40 × 50 cm
zytlupe, 2025
rukocrt
Bleistift auf Hahnemühle, 18 × 26 cm
Gerahmt hinter Glas, 40 × 50 cm
heschs gschafft, 2025
rukocrt
Bleistift auf Hahnemühle, 18 × 26 cm
Gerahmt hinter Glas, 40 × 50 cm
2009 rukocrt / rukowaš, 2026
Installation, Art Dock Gallery Zürich
Zinkeimer mit Kreidewasser, Pinsel, Bodenzeichnung
Bleistift auf Hahnemühle, gerahmt hinter Glas
Drei Artefakte einer performativen Intervention
Floor Transcript, 2026
Drei Artefakte einer performativen Intervention, 2026
Vernissageglas mit Spuren von Wein, Glas mit Wasser, Kreidepigment und Bodenmaterial, Pinsel
Am 6. Juni 2026 entstanden während einer performativen Intervention drei Objekte, die seither als eigenständige Arbeit bewahrt werden.
Ein Vernissageglas mit den letzten Spuren des Weins. Ein Glas mit Wasser, Kreidepigment und Bodenmaterial, das sich seither zu einem Sediment verdichtet. Ein Pinsel, mit dem die Spur auf dem Boden entstand.
Die Intervention war flüchtig.
Die Artefakte bleiben. Sie setzen die Handlung fort.
Laufend malen
Performative Intervention, 2009–heute
Weg Richtung Giswil (OW), 2009
Die Acht mit frischer Ölfarbe versehene Leinwände wurden zu zwei tragbaren Objekten verbunden.
Am Tag der Ausstellungseröffnung führte mein Weg vom Atelier in Luzern entlang der Reuss zum Bahnhof, mit dem Zug nach Alpnach Dorf und von dort zu Fuss durch Landschaften, Wälder, Wiesen und Felder bis zur Turbine Giswil.
Bewegung, Druck, Reibung, Verdichtung, Zeit und Passage schrieben sich unmittelbar in die Oberflächen ein.
In weiteren Akten wurden die Objekte durch die Ausstellungshalle getragen und wieder abgesetzt. Erst am Ende der Ausstellung öffnete ich die beiden «Koffer» und löste die mittlerweile miteinander verbundenen Leinwände voneinander.
Acht Arbeiten aus der Werkgruppe nach der Öffnung Turbine Giswil / OW, 2009
Detail der reliefartigen Oberfläche
transfeair, 2026
Über die Jahre befanden sich einzelne Arbeiten der Werkgruppe in unterschiedlichen privaten, künstlerischen sowie Arbeits- und Entscheidungsräumen in der Schweiz und in Deutschland.
Die Setzung «transfeair» in Augsburg verbindet ein Diptychon aus «Laufend malen» mit einem fotografischen Kontextbild aus dem Arbeitsumfeld des ehemaligen Sportdirektors Marinko Jurendić.
Ausstellungsansicht Diptychon und Kontextbild
Öl auf Leinwand | 100 x 70 cm
Kaschiertes Foto hinter Acrylglas mit Dibond-Rückwand | 20 x 27 cm
Gerahmt mit Eiche
Bevölkerung der Brache
Temporäre Installation und Aktionen, 2021–2023
Im Rahmen der Arbeit «Bevölkerung der Brache» wurde gemeinsam mit dem Adligenswiler Imker Ernst Sager ein Bienenvolk auf der Museumswiese des Museum 1 in Adligenswil angesiedelt.
Ein Ableger von rund 10’000 Bienen zog an einen neuen Ort. Das Volk orientierte sich neu, baute weiter, sammelte, produzierte Honig und entwickelte sich über die Zeit.
Bevölkerung der Brache, 2021–2023
Partizipatives Werk mit dem Imker Ernst Sager
Museum1 Adligenswil LU
Bienenstock auf der Brache, Adligenswil, 2021
Bienenvolk vor dem Einzug in den neuen Bienenstock, 2021
Fragment 1 aus 7,5 kg Honig, 2026
Das Fragment stammt aus der saisonalen Ausbeute eines Schwarms von rund 10’000 Bienen.
Die zugrunde liegende Honigmenge von 7,5 kg entspricht – konservativ gerechnet – einer kollektiven Arbeitsleistung von etwa 9’200 Arbeiterinnen und rund 76’000 Flug- und Sammelstunden.
Das Honig-Artefakt zeigt ein minimales Fragment dieser verdichteten kollektiven Bewegung.
Honig.
Glasfläschchen.
Holzsockel.
Honig-Artefakt aus «Bevölkerung der Brache», 2023
Honig im Glasfläschchen, Ø 20 mm, Honighöhe ca. 5 mm
Kunst als offener Prozess
Ich verstehe Kunst als offenen Prozess zwischen Handlung, Raum und Präsenz
– weniger als abgeschlossenes Objekt.
Manches bleibt als Artefakt. Manches verschwindet.
Werden. Sein. Vergehen.
Kunst als bewusste Setzung im Fluss der Wirklichkeit.
Ausgewählte Arbeiten
Fluss Wasser Geschichten, 2003
Kunst und Bau, Primarschulhaus Neudorf LU
Skulptur, Inox, Einbrennlackierung, wasserstrahlgeschnittene Wörter
Fluss Wasser Geschichten, 2003
Kunst und Bau, Primarschulhaus Neudorf LU, 2003
Ausgangspunkt der Arbeit ist die Brunnenanlage auf dem Schulhausplatz. Wasser erscheint darin als lebenswichtige Quelle und als formende Kraft.
Von Wasser geformte Kieselsteine aus der Umgebung wurden zum Ausgangspunkt für die Fensterzeichnungen des Schulhauses. Die sandgestrahlten Formen öffnen den Blick auf Brunnen und Himmel und beziehen den Kreislauf des Wassers in die Architektur ein.
Auf dem Schulhausplatz entstand eine Skulptur aus Inox mit roter Einbrennlackierung. In ihre Oberfläche sind Wörter mit Wasserstrahl geschnitten. Sie greifen die Bedeutung des Wassers als Lebensquelle und seine Verbindung zur Gemeinde und ihrer Umgebung auf.
Vom Wasser geformter Kieselstein
Ausgangspunkt der Fensterzeichnungen
Fensterzeichnung, Primarschulhaus Neudorf
Sandgestrahltes Glas
Fluss Wasser Geschichten, 2003
Kunst und Bau, Primarschulhaus Neudorf LU
Skulptur, Inox, Einbrennlackierung, wasserstrahlgeschnittene Wörter
Mobile Pictures – Colors of Public Sphere Videostills, vier Triptychen, Hochschule Luzern, 2007
Für Mobile Pictures – Colors of Public Sphere unternahm ich zwölf Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu unterschiedlichen Tageszeiten und bei unterschiedlichen Licht- und Wetterverhältnissen.
Während der Fahrten hielt ich das Geschehen mit einer Handykamera fest. Aus dem entstandenen Filmmaterial wurden einzelne Videostills herausgelöst und zu vier grossformatigen Triptychen verdichtet.
Die Bilder halten keinen einzelnen Augenblick fest. In ihnen überlagern sich Bewegung, Zeit, wechselnde Orte und Wahrnehmungen des öffentlichen Raums.
Triptychon «Winter»
394 × 89,5 cm
Triptychon «Frühling»
394 × 89,5 cm
Land, Land – West – East, 2009
Installationsansicht, Štaglinec, Kroatien
Land, Land – West – East
Landtausch in vier Akten zwischen der Schweiz und Kroatien, 2009
Im Rahmen des International Artists’ Meeting in Štaglinec tauschte ich in vier Akten zwei Stücke Land zwischen Kroatien und der Schweiz aus.
An beiden Orten wurde jeweils ein Quadrat Erde in der Breite eines Spatenblatts ausgehoben. Das Stück Land aus der Schweiz wurde in Štaglinec eingesetzt, das kroatische Stück in Luzern.
Die verwendeten Spaten blieben anschliessend an den jeweiligen Orten zurück. In ihre Spatenflächen wurden die GPS-Koordinaten der Orte eingraviert, an denen die Erde entnommen worden war.
Land wurde aus seinem Ort gelöst, über eine Grenze getragen und an einem anderen Ort eingesetzt.
Akt I–III, Štaglinec, Kroatien
Entnahme und Einsetzen eines Stücks Land
Stück Land aus der Schweiz in Štaglinec, Kroatien
Ohne Titel (Nic Kian), 2021
Öl auf Leinwand, 51 × 61 cm
Ohne Titel (Nic Kian)
Malerei, 2021
Ausgangspunkt war ein beiläufiger Moment während eines Gesprächs zuhause.
Das Interesse galt der stillen Präsenz der Situation.
The Serious Play / Perspektivenwechsel, 2021
Live Performance mit Joelle Alea Iten
The Perfect Match, Galerie Kriens LU
Foto: Julia Schöni
The Serious Play / Perspektivenwechsel
Dreiteiliges Objekt und Live Performance, 2021
Ein dreiteiliges Objekt aus Holz erscheint innerhalb der Ausstellung in unterschiedlichen Positionen: am Boden, an der Wand und als Ausgangspunkt einer Live Performance mit Joelle Alea Iten.
In der Performance wird das Objekt betreten, verschoben und körperlich in Beziehung gesetzt. Seine Anordnung verändert sich und mit ihr die Position des Körpers im Raum.
Das Objekt bleibt dabei Teil der Ausstellung. Auch Besucherinnen und Besucher treten mit ihm in Beziehung.
The Perfect Match, Galerie Kriens LU, 2021
Dreiteiliges Objekt aus Holz
Ausstellungsansicht, Position Nr. II
The Serious Play / Perspektivenwechsel
Live Performance mit Joelle Alea Iten
Foto: Julia Schöni
The Serious Play / Perspektivenwechsel, 2021
Bild-Objekt an der Wand, Position Nr. III
The Perfect Match, Galerie Kriens LU
Pećnik – Haus ohne Dach, 2025
Videostill
Fine-Art-Pigmentdruck auf Hahnemühle Photo Rag®, aufgezogen auf Alu-Dibond (2 mm)
60 × 108 cm
Edition 1/3 + 1 A/P
Pećnik – Haus ohne Dach, 2025
Fotografische Arbeit, 2025
Raum als Träger von Zeit, Erinnerung und Abwesenheit.
Kontextbild, Oktober 2025
«Floor Transcript»
Kontextbild, August 1982
«Artefakt»
HALT, 2026
Experimentalfilm, Farbe, 4:45 min
HALT, 2026
Film und performative Intervention, 2026
HALT — Film
Video/Player: vollständiger Film, 4:45 min.
Die Aufnahmen entstanden während einer zehntägigen Reise durch Kroatien und Bosnien-Herzegowina im April 2026. Keine der Situationen wurde inszeniert.
Der Blick sucht Orientierung in Linien, Flächen, Architektur, Horizonten und Übergängen. In der Folge kurzer Beobachtungen entsteht ein filmischer Erfahrungsraum, in dem Wahrnehmung selbst zum Gegenstand wird.
Film verstehe ich dabei als eine Form der Wahrnehmung – nicht als Darstellung von Wirklichkeit.
HALT — Performative Intervention
HALT – performative Intervention, 2026
Kunsthalle Luzern, 18.09.2026
Film, Monitor, Künstler, weisse Baumwollhandschuhe
Dauer: 6:15 min
Foto: Charles Moser
Videodokumentation
der performativen Intervention
Kunsthalle Luzern, 18.09.2026
Aufnahme: Barbara Steiner